St. Marien

Alles über die Kirche St. Marien

Daten & Fakten

Baujahr 13.Mai 1894
Sitzplatzanzahl  ca. 600 Plätze
Länge 62,50 Meter
Höhe des Kirchturms 75,00 Meter

Nicht nur der Gasometer gehört zu den Wahrzeichen Oberhausens, auch die Marienkirche zwischen der Mülheimer- und Elsa-Brändström-Str. gehört dazu. Mit ihren zwei schlanken Türmen ist sie von weither sichtbar.

 

Kirche in der Lipperheide

"Die Erde (Oberhausen!) ist noch wüst und leer", so die Bibel. Heide, Bruch und Moor machen das Gebiet in der Lipperheide unwirtlich rau. Die erste Eisenhütte entsteht in Oberhausen. Weitere Industrien folgen. In dieser Zeit werden die Menschen in Lippern und Lirich von St. Dionysius in Essen-Borbeck betreut. Die schnell wachsende Bevölkerung in der Lipperheide wartet auf eine eigene Kirche.
Nach einigen Querelen stellt die Köln-Mindener-Eisenbahn ein Gelände für den Bau einer Kirche zur Verfügung. Am 13. Oktober 1857 wird in der Lipperheide an der Stelle der heutigen Agentur für Arbeit (Arbeitsamt) auf freier unbebauter Fläche eine kleine Kirche (im Volksmund Heidekirche) eingeweiht. Als Marienkirche erhält sie den Namen "Kirche der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter und Jungfrau Maria". Die Gemeinde feiert das Patrozinium am 08. Dezember. 1861 gründet sich die bürgerliche Gemeinde Oberhausen. Die Heidekirche wird 1888 zur selbständigen Pfarrgemeinde erhoben und erhält ihren ersten Pfarrer. Sie ist die erste Gemeindekirche Oberhausens.

Kirche auf dem Berg

Die heutige Gemeindekirche ist bereits die zweite Gemeindekirche in St. Marien. Mit der schnellen industriellen Entwicklung wächst die Zahl der Menschen aus nah und fern, vor allem aus Hunsrück, Moseltal, Eifel, Westerwald. Eine neue große Kirche "auf dem Berg" wird nach den Plänen des Dombaumeisters Friedrich Freiherr von Schmidt aus Köln unter vielen Schwierigkeiten gebaut. Sie löst die zu klein gewordene und bereits mehrfach umgebaute Heidekirche ab. Am 13. Mai 1894 wird die große Marienkirche konsekriert und erhält - wie die erste Kirche - den Namen der Unbefleckten Empfängnis. Sie wird im neugotischen Stil erbaut. Vorbild ist der Dom von Florenz. So entsteht eine dreischiffige Basilika, Länge 62,50 m, Breite 35,50 m, Höhe mit Türmen 75,00 m. Die Außenwände sind bis zum Dachgeschoss aus naturhaft belassenem Buckelquaderwerk. Im Zuge der starken Bevölkerungszunahme während der Industrialisierung sind dann als Abpfarrungen von St. Marien zunächst in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Pfarrei St. Michael (Pfarrgründung 1920, Michaelskirche gebaut 1928) und dann 1958 die Pfarreien Heilig-Geist und Heilige Familie neu gegründet worden.

Kriegszerstörung

Längst haben die Schrecken des Krieges Oberhausen erreicht. Die Bevölkerung leidet unter den Kriegseinwirkungen. Ostern 1943 werden große Teile der Kirche durch Brand- und Sprengbomben zerstört. Die äußere Gestalt bleibt größtenteils erhalten. Mir selber bleibt dieses Ereignis unvergesslich. Wir feiern Ostersonntag in der Marienkirche, den Tag der ersten Heiligen Kommunion. In der Nacht zum Osterdienstag brennt dann bei einem schweren Fliegerangriff auf Oberhausen die Marienkirche aus. Im "Haus Union" wird eine Notkirche eingerichtet, die Pfingsten ebenfalls den Bomben zum Opfer fällt.

Wiederaufbau und Umgestaltung

Sofort nach Kriegsende 1945 beginnt der Wiederaufbau.
In den fünfziger bis sechziger Jahren erfolgt eine grundlegende Umgestaltung des Chorraumes im Sinne der liturgischen Bewegung und künstlerischen Erneuerung des 20. Jahrhunderts. das Konzept entwickelt der namhafte Kirchenbauer Prof. Dr. Rudolf Schwarz aus Köln.

Die Fenster im Chorraum sind auf die Heilige Dreifaltigkeit ausgerichtet, die in der Mitte dargestellt ist. Sie werden flankiert von Chören anbetender Engel. Die übrigen Fenster richten sich zum Chor aus. In ihnen ist die himmelwärts strebende Taube, das Zeichen des Heiligen Geistes, dominierend (Prof. Ludwig Bauer, Telgte).

 

Der Altar besteht aus zwei weißen Marmorblöcken in der Form eines Tisches als "Opferstätte". Die Bronzeplastik (Toni Zenz) vor dem Altarstein weist auf die Reliquien der heiligen Blutzeugen Clemens und Felicitas hin, die bei der Konsekration des Altars eingemauert werden. Die 32 Ornamente mit 260 Bergkristallen am Tabernakel (Prof. Karl Schrage, Wuppertal) stellen Knospen dar, die aus dem Blatt werk brechen. Sie erinnern an das Reis, das aus der Wurzel Jesse sprießt (Jes 11,1), dies wird hier auf das neue Leben in Jesus Christus gedeutet. Die strauchartigen Verzweigungen, die den Tabernakel halten, erinnern an den brennenden Dornbusch, in dem Gott gegenwärtig ist. Die Tabernakelstele ist von Toni Zenz (Köln, 1957), geschaffen.

Das Altarkreuz (ebenfalls von Toni Zenz) stellt Christus und die Kirche dar, versinnbildlicht durch Maria. Christus hängt am Baum des Lebens statt am Kreuz. Er teilt in der innigen Begegnung zwischen sich und der Kirche den Menschen göttliches Leben mit. Das Kreuz ist durch drei Balken als Lebensbaum gestaltet. Er weist auf die Eucharistie hin, in dem die Wurzeln auf den Altartisch deuten.

Die Gottesmutter mit Kind (Herbert Belau, Düsseldorf) in der Gestalt der segnenden Kirche am rechten Seitenaltar erinnert an die Gestik beim sakramentalen Segen. Aus einem einzigen runden Stück Holz geschnitzt, trägt und umschließt sie Christus, der wie sie gekrönt ist und damit in der Herrlichkeit gezeigt wird.

Die Taufkapelle ist links vom Altar in der Seitenkonche eingebaut und besonders gestaltet. Sie wird auch zur Feier von Werktagsgottesdiensten (Hl. Messe, Laudes) genutzt. Hier hängt an der Wand der hl. Josef und der Engel (Holzstatue und Bronzerelief, Toni Zenz). Die ungewöhnliche Darstellung des hörenden Josef zeigt dessen Bereitschaft, mit der Botschaft des Engels die ihm unverständlichen Pläne Gottes anzunehmen und sein Leben als Wagnis auf Gottes Wort hin zu gestalten.
Nach einer vollständigen Überarbeitung der Außenfassade der Marienkirche in den achtziger Jahren folgt in den neunziger Jahren eine erneute Innenrenovierung. Ein Versuch, die Vorkriegs-Wandmalerei mit Szenen des neuen Testaments zu restaurieren, scheitert. Die Bilder haben nur noch wenig Substanz, teilweise sind sie durch den Nachkriegsanstrich nicht mehr auffindbar. So wird die ganze Kirche künstlerisch ausgemalt (Entwurf: Fa. Mohr, künstlerische Beratung: Egon Stratmann). Die Ausmalung der Marienkirche mit Naturfarben macht bewusst, dass der Dom von Florenz als Vorbild dient.

St. Marien besitzt eine geschnitzte Krippe (1938) aus Oberammergau. Die textilbekleideten ca. 1,30 m großen Figuren sind beweglich (Künstlerin: Johanna-Maria Lamers-Vordermayer, Kleve) und werden der Liturgie entsprechend von Advent bis Darstellung des Herrn (Lichtmess) liebevoll aufgebaut und den jeweiligen Szenen angepasst.
Der Heilsweg (Willy Heinzen, Essen) - statt eines traditionellen Kreuzwegs - ist im linken Seitenschiff mit 16 Stationen auf weißem Marmor dargestellt. Die dazu gehörende Madonna ist in der Friedhofskapelle aufgestellt. In ihm ist das Heilsgeschehen unserer Erlösung dargestellt.

Die 7. Orgel in St. Marien (Fa. Klais, Bonn) wurde 1986 eingeweiht. Sie hat 40 Register, 3000 Pfeifen, einen Spieltisch mit drei Manualen und Pedal, mechanische Spieltraktur und elektrische Registertraktur.
Die Künstlerin Ida Köhne (Oberhausen) gestaltete das Fenster "Rosa Mystica" im Hauptportal ebenso wie das Ölgemälde "Der geschundene König" in der Taufkapelle. Ein kunstvoll gestaltetes Eisengitter von Michael Stratmann (Essen) schließt den Raum unter der Orgelbühne von der Kirche ab, die so jetzt auch tagsüber im hinteren Eingangsbereich geöffnet werden kann. Passende metallene Leuchter für Opferkerzen der Gläubigen vom gleichen Künstler umrahmen eine Barockmadonna (2. Hälfte 17. Jh.) unter der Orgelbühne.

Das Mahnmal "Für das Leben" (Werner Kölkes, Oberhausen), ist außerhalb der Kirche auf der Krankenhausseite zu sehen. Der Text auf der Steinstele lautet: "Es ist das Leben von der Empfängnis an mit höchster Sorgfalt zu schützen. 2. Vat. Konzil."
Aus der stürmischen Zeit der Anfänge vor mehr als 150 Jahren mit rasantem Bevölkerungswachstum entwickelt sich das kirchliche Leben in Alt-Oberhausen bis heute parallel zur Industriegeschichte. Es ist eine Zeit ständiger Veränderungen und Anpassungen an die jeweiligen Gegebenheiten.

Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts

Dem blühenden Aufschwung und den Abpfarrungen und Neugründungen des letzten Jahrhunderts folgt eine Zeit des Schrumpfens und der Zusammenlegungen. Wir sind mitten drin in den Veränderungen und den Prozessen des Zusammenwachsens dessen, was zum Teil früher schon einmal zusammengehörte und nun neu zusammengeführt wird zur neuen Großpfarrei St. Marien.
Durch die Umstrukturierung des Bistums Essen auf 43 Pfarreien erfolgt am 28.04,2007 die Neugründung der Pfarrgemeinde St. Marien mit ca. 19200 Katholiken. Dazu gehören die Gemeinden St. Johannes Evangelist, Zu Unserer Lieben Frau, St. Katharina mit der weiteren Kirche Heilige Familie, die heute als Standort der Oberhausener Tafel genutzt wird, und St. Marien mit der Filialkirche St. Michael sowie der weiteren Kirche Heilig Geist, die z. Zt. umgebaut wird, um sie weiterhin als Versammlungs- und Veranstaltungsort nutzen zu können. Seit dem Jahr 1999 ist Pfarrer Thomas Eisenmenger der 7. Pfarrer der Gemeinde und heute der Pfarre St. Marien.

Wir möchten herzlich der Autorin Maria Henze danken. (Artikel aus der Pfarrzeitschrift „Miteinander“ Dezember 2009).