ST. Michael

Alles über die Kirche St. Michael

Daten & Fakten

Baujahr 14.Oktober 1930 (Einweihung)
Sitzplatzanzahl  250 Sitzplätze
Länge /
Höhe des Kirchturms /

Durch die Ansiedlung von Industrie, Stahlwerken und Bergbau kam es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer rasanten Bevölkerungszunahme in Oberhausen. Das Knappenviertel in Oberhausen-Ost wurde zum bevölkerungsreichsten Gebiet weit und breit. Damit nahm hier auch die Zahl der Katholiken rapide zu. Noch wurden die Gottesdienste in der Notkirche im Saale Nierhaus an der Knappenstraße gefeiert, der sich aber bald als zu klein und eng erwies. Das starke und aktive Vereinsleben blühte.

Am 03. August 1919 beschloss der Kirchenvorstand von St. Marien einstimmig, für diesen Pfarrbezirk die Erhebung zur eigenständigen Pfarrei unter dem Namen St. Michael zu beantragen. Erster Pfarrer wurde Rektor Franz Schmitz. Im Oktober 1920 wurde die Grenze zwischen St. Marien und der zukünftigen Michaelspfarre festgelegt. Zum neuen Pfarrbezirk zählte das Knappenviertel und Bermensfeld. 1922 unterzeichnete der Erzbischof von Köln die Errichtungsurkunde von St. Michael. Der Architekt Fritz Sonnen errichtete die neue Kirche auf dem höher liegenden Gelände an der Falkensteinstraße. Grundsteinlegung war 1926, die erste Messe wurde Heiligabend 1929 gefeiert. Am 14.Oktober1930 wurde unter dem Chorraum der Kirche eine Krypta eingeweiht. Das Gotteshaus stellt im Kirchenbau eine einmalige Stilanwendung des „Backstein-Expressionismus“ dar und ist daher heute eine Sehenswürdigkeit, die unter Denkmalschutz steht. Der expressionistische Stil prägt auch die Innenraumgestaltung. Der Zugang zur ehemaligen Taufkapelle (heute Totengedenkraum) ist mit einem schmiedeeisernen Tor mit den Worten Glaube, Liebe, Hoffnung gestaltet.

Pfarrer Wilhelm Wedding kaufte im Oktober 1939 vom Bildhauer Gerd Matthäi in Kleve zwei Statuen, die des hl. Michael und der hl. Maria, die bis heute einen Platz in der Kirche behalten haben. Nach und nach wurden nach dem Entwurf von Religionslehrer Johannes Geulen acht farbige bleiverglaste Kirchenfenster mit den Symbolen der sieben Sakramente angeschafft. Er schuf noch weitere Entwürfe kirchlicher, religiöser und liturgischer Art für St. Michael, u.a. das Kreuz an der Wand über dem Hochaltar in der Kirche vor dem 2. Weltkrieg, den Osterleuchter, das Tabernakel-Kreuz, einen Baldachin für die Fronleichnamsprozession und eine Monstranz.

Der Ausbruch des 2. Weltkrieges verhinderte die weitere Ausgestaltung der Kirche. Im Februar 1945 wurden der Kirchenraum, die Krypta und das Schwesternhaus bei einem Fliegerangriff weitestgehend zerstört. Die Zimmer hinter der Bibliothek wurden soweit repariert, dass dort Gottesdienste gehalten werden konnten. Eine Notkapelle wurde im früheren Kindergarten hergerichtet. Es begann die Zeit des Wiederaufbaus von Kirche, Pfarrhaus und Schwesternhaus. Mit viel Engagement und Fleiß schuf die Gemeinde aus den Trümmern wieder einen würdigen Kirchenraum. Erst 1953 war die Kirche im Chor fertig und auch die Kirchenfenster in der Bleiverglasung nach den Entwürfen von Prälat Geulen.

In den Jahren 1957-1959 wurden erneut umfangreiche Umbaumaßnahmen an der Kirche durchgeführt. Die Eingänge wurden wesentlich umgestaltet. Die Gläubigen betreten seitdem die Kirche durch neue naturlackierte Eichentüren und befinden sich zunächst in einem quer zum Kirchenschiff angeordneten Vorraum, dem Atrium. Interessant ist hier die gewölbeähnliche Holzdecke. Ein weiteres Ereignis für St. Michael war 1961 die Glockenweihe. Nach dem Krieg hatte man sich mit 2 geliehenen Glocken behelfen müssen. Nun standen fünf neue Glocken auf dem Weihegerüst. Hergestellt wurden sie von der Glockengießerei Mabilon in Trier. Die Namen der Glocken sind St. Michael (Schutzpatron der Kirche, Gewicht 2800 kg), St. Barbara (Schutzpatronin der Bergleute, 1650 kg), St. Petrus (Fürst der Apostel, 1150 kg), St. Anna (Patronin der Mütter, 800 kg), Angelus (kleinste Glocke mit 680 kg). 1963 wurde eine neue Decke in die Kirche eingezogen. Seit Oktober 1965 hängt ein neues Altarkreuz („Triumphkreuz“) als besonderes Schmuckstück in St. Michael. Das einen Zentner schwere Kunstwerk stammt aus der Werkstatt der Kevelaerer Goldschmiede Polders. Es besteht im Wesentlichen aus Kunststoff, ist mit Eiche furniert und mit Silber beschlagen. An den Balkenenden ist es mit je zwei geschliffenen Bergkristallen geschmückt. Der aus Bronze bestehende Korpus ist stark vergoldet.

1990/91 wurde es unumgänglich, den Innenraum der Kirche neu zu gestalten, da er nicht mehr den Anforderungen einer zeitgemäßen Liturgie entsprach. Der hölzerne Zelebrationsaltar stand nicht nur viel zu weit von der Gemeinde entfernt, sondern zudem elf Stufen über dem Niveau des Kirchenbodens. Der Essener Architekt F. Josef Gierse wurde mit dem Umbau beauftragt. Von großer Bedeutung war, dass der neue, auf einer Insel stehende Altar in den Kirchenraum hineinragte und zehn Meter näher zu der Gemeinde gerückt werden konnte. Ziel des Umbaus war, dass die Gemeinde möglichst nah um den Altar versammelt werden konnte als mitfeiernde Jüngerschaft Christi und nicht länger nur Zuschauer war bei einem fernen Geschehen. Auf der hoch liegenden Ebene fand die Tabernakelstele ihren Platz. Am 17. März 1991 weihte Weihbischof Franz Grave nach sechsmonatiger Umbauzeit den neuen Altar ein. Seitdem ist auch die Krypta wieder als Gottesdienstraum für kleinere Gruppen nutzbar. Hier findet sich eine Kopie eines dreiteiligen Altarbildes von Hans Holbein mit den Heiligen Elisabeth, Barbara und Sebastianus.

Im Mai 1993 erhielt St. Michael seine dritte Orgel. Die erste Orgel stand kurz nach der Gründung des Rektorats St. Michael im Nierhaus’schen Saal an der Knappenstraße und erfüllte ihren Zweck auch noch nach der Übersiedlung in die neue Pfarrkirche von 1928 bis zu ihrer totalen Zerstörung 1943. Die zweite Orgel kam nach dem Wiederaufbau der Kirche 1952. Doch nagte der Zahn der Zeit stark an dem Instrument. 1990 bekam die Brüsseler Orgelbaufirma Patrick Collon den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel. Durch große Opferbereitschaft der Gemeinde, viele große und kleine Spenden, kam das Geld zusammen.

Nach dem Tod des fünften Pastors von St. Michael, Johannes Wiechers, am 31.5.2002 wurde St. Michael der ursprünglichen Gemeinde St. Marien wieder zugeschlagen. Das Gotteshaus ist heute Filialkirche und gehört mit Hl. Geist zu der Gemeinde St. Marien innerhalb der Pfarrei St. Marien, zu der noch die Gemeinden St. Johannes Evangelist, St. Katharina und Zu Unserer Lieben Frau gehören. Ca. 18.000 Katholiken sind in der Pfarrei St. Marien zu Hause. In der Michaelskirche finden weiterhin Messfeiern statt. Die benachbarte katholische Hauptschule St. Michael nutzt sie für ihre Schulgottesdienste. Jährlich vor Ostern und Weihnachten bereitet der Elterngospelchor der Hauptschule eine besonders gestaltete Messe vor.

Im März 2016 zieht in die Kirche der Kleiderladen Janne & Pit in die Kirche ein, da die Räumlichkeiten in der Knappenschule geräumt werden mussten. Mit Hilfe von vielen wird der hintere Teil der Kirche umgebaut, sodass ein richtiger Laden entsteht. Dadurch verringert sich das Platzangebot für die Messbesucher um ein Drittel.

 

Wir danken an dieser Stelle den Autoren Hans Püttmann, Birgit Hümbs und Thomas Eisenmenger. (Ausschnitt aus der Pfarrzeitung "Miteinander", Ausgabe August 2010);